Kathedrale von Sevilla · Sevilla · Unabhängiger Guide
Audioguide Kathedrale von Sevilla,
fünf Stationen, kostenlos.
Ein Minarett, vollendet am 10. März 1198, heute ein Glockenturm von etwa 95 Metern bis zur Spitze seiner Wetterfahne: Hör dir hier fünf Orte der Kathedrale an, und für jede ihrer achtzig Kapellen genügt Chiaro ein Foto, um dir den Rest zu erzählen.
Erstellt von Chiaro. Keine Verbindung zur Verwaltung der Kathedrale von Sevilla.
Die Giralda, von der Plaza Virgen de los Reyes aus
Kathedrale von Sevilla, Sevilla
Das war der kostenlose Teil
Ein Foto genügt, und Chiaro erzählt dir von jedem Detail der Kathedrale von Sevilla.
Die fünf Stationen · 11 Minuten Audio
Fünf Orte, ein Rundgang,
in der Reihenfolge, in der du gehst.
Die Kathedrale von Sevilla beginnt draußen, und dieser kostenlose Audioguide zum Selbstgehen auch: Station eins spielt auf der Plaza Virgen de los Reyes an der Nordostecke der Kathedrale, mit der ganzen Giralda über dir und noch ganz ohne Ticket. Drinnen schickt das Domkapitel (Cabildo) alle zuerst auf den Turm, deshalb liegt Station zwei auf der Höhe der Glocken, mit Blick nach Nordwesten in den Patio de los Naranjos. Wieder unten gehst du quer durch das Ostende zum Südarm des Querschiffs, wo das Grab von Christoph Kolumbus steht; dann nach Norden in die Vierung, wo dir das Hochaltarretabel hinter seinem vergoldeten Gitter gegenübersteht; und zum Schluss in den Patio de los Naranjos, wo dich das Tor der Vergebung hinaus in die Calle Alemanes entlässt. Alle fünf zusammen dauern etwa zehn Minuten Hörzeit, der Aufstieg sind 35 Rampen hinauf und ebenso viele hinunter, und das Domkapitel rechnet für einen vollständigen Besuch von Kathedrale und Turm mit etwa 75 Minuten.
Preise, Eingänge und Zeiten auf dieser Seite stammen von den eigenen Seiten des Domkapitels auf catedraldesevilla.es und wurden am 27. September 2026 Zeile für Zeile damit verglichen; Namen, Daten und Maße stützen sich auf diese Seiten und auf Wikipedia, und wo beide unterschiedliche Zahlen nennen, sagt die Seite, wessen Zahl sie verwendet. Das hier ist zuerst eine Kirche, in der Gottesdienst gefeiert wird, und erst dann ein Baudenkmal, und Gottesdienste verändern den Besuchstag oft kurzfristig. Was ein Kirchendiener oder ein Aushang am Prinzentor sagt, gilt also vor allem, was hier steht; sag uns Bescheid, wenn beides nicht zusammenpasst.
Daderot, CC0, über Wikimedia Commons. Foto: Daderot
Station 1 von 5 · Plaza Virgen de los Reyes, der öffentliche Platz an der Nordostseite der Kathedrale vor dem Erzbischöflichen Palast, mit Blick hinauf zur Giralda; außerhalb jeder Ticketkontrolle
Die Giralda, von der Plaza Virgen de los Reyes aus
Almohadisches Minarett, begonnen von Ahmad ibn Baso und in Ziegel hochgezogen von Ali al-Ghumari im Auftrag des Kalifen Abu Yaqub Yusuf und seines Sohnes Abu Yusuf Yaqub al-Mansur; Glockengeschoss der Renaissance von Hernán Ruiz dem Jüngeren; Giraldillo gegossen von Bartolomé Morel · Minarett 1184–1198; Glockengeschoss 1558–1568; Giraldillo aufgesetzt am 13. August 1568 · Ziegel über einem Sockel aus behauenem Stein von 13,6 m im Quadrat; der almohadische Schaft 50,51 m hoch, bis zur Spitze des Giraldillo etwa 95 m
Achte auf
- Die Felder aus rautenförmigem Netzwerk links und rechts der mittleren Fenster. Das ist Sebka, almohadisches Ziegelmuster, und aus der Entfernung trifft es die Beschreibung der Kathedrale selbst genau: ein Netz aus Rauten.
- Die Linie, an der der schlichte Ziegelschaft endet und das Glockengeschoss der Renaissance von 1558 bis 1568 beginnt, mit seinen offenen Glockenbögen und der lateinischen Inschrift, die oben um den Fries läuft.
- Die Bronzefigur ganz oben, eine Frau mit einer Fahne, die sich mit dem Wind dreht. Sie ist der Giraldillo, und nach ihr ist der ganze Turm benannt.
- Die Apsis mit der Kuppel zu deiner Linken. Sie gehört zur Capilla Real, der 1551 begonnenen Königlichen Kapelle, und ihre Kuppel hat derselbe Hernán Ruiz vollendet, der das Glockengeschoss gebaut hat.
Transkript (2:14)
Leg den Kopf in den Nacken und folge dem Turm vom Boden bis zu der Bronzefrau ganz oben, denn du siehst zwei Bauwerke übereinander, vier Jahrhunderte auseinander. Die unteren zwei Drittel sind ein Minarett. Alles ab den Glockenbögen aufwärts ist ein christlicher Glockenturm, der ihm in den 1560er-Jahren aufgesetzt wurde.
Zuerst kam das Minarett. Die Arbeiten begannen 1184, ein Turm für die große Moschee, die der Almohaden-Kalif Abu Yaqub Yusuf an dieser Stelle hatte errichten lassen; seine Hauptstadt war Sevilla. Glatt lief das nicht. Kaum begonnen, kam der Bau zum Stillstand, und erst um 1188 ging es weiter, unter dem Sohn des Kalifen, Abu Yusuf Yaqub al-Mansur. Ahmad ibn Baso hatte den Sockel aus behauenem Stein angelegt, auf einem Fundament, in dem Quader aus den Mauern eines älteren Palastes und aus der römischen Stadtmauer stecken, und ein Baumeister aus dem Maghreb, Ali al-Ghumari, zog darüber den Schaft in Ziegel hoch. Am 10. März 1198 war er fertig, gekrönt von vier Metallkugeln, zur Feier von al-Mansurs Sieg über Alfons VIII. von Kastilien.
Schau dir jetzt die Seite an, die dir zugewandt ist. Sie ist in drei senkrechte Streifen geteilt. In der Mitte laufen die Fenster nach oben, und zwar versetzt, Stufe für Stufe, weil sich dahinter eine Rampe durch den Turm hinaufwindet und jedes Fenster ein Stück davon beleuchtet. Links und rechts liegt dieses Rautengitter, die Sebka, und könntest du näher heran, fändest du darunter kleine Säulen mit Marmorkapitellen, die zwei, drei Jahrhunderte älter sind als der Turm: omaijadische Kapitelle des neunten und zehnten Jahrhunderts, im Stil von Madinat al-Zahra, und der Historiker Leopoldo Torres Balbás hat 92 davon gezählt, die hier wiederverwendet wurden.
Die Kugeln hielten nicht. Ein Erdbeben holte sie 1356 herunter. Zwei Jahrhunderte später baute Hernán Ruiz der Jüngere zwischen 1558 und 1568 das Glockengeschoss, das du über dem schlichten Ziegel siehst, und oben ringsherum schrieb er auf Latein, der Name des Herrn sei ein überaus starker Turm. Am 13. August 1568 kam die Bronzefigur des Glaubens, gegossen von Bartolomé Morel, auf die Spitze, drehbar im Wind. Eine Wetterfahne in Menschen- oder Tiergestalt heißt auf Spanisch Giralda, und Cervantes nennt die Statue im Don Quijote noch so. Erst später rutschte der Name nach unten und ging auf den ganzen Turm über.
Noch etwas, bevor du hineingehst. Die Figur dort oben ist das Original, seit 2005 wieder zurück, nach sechs Jahren Restaurierung, und in ihrem Inneren überwachen jetzt Messgeräte, wie sie altert.
Jebulon, CC0, über Wikimedia Commons. Foto: Jebulon
Station 2 von 5 · Die Giralda, Glockengeschoss, Nordwestseite, mit Blick hinunter in den Patio de los Naranjos (Orangenhof)
Oben auf der Giralda, mit Blick hinunter auf den Patio de los Naranjos
Rampen im Inneren des almohadischen Minaretts, gebaut unter Ali al-Ghumari; Glockengeschoss von Hernán Ruiz dem Jüngeren; der Hof darunter angelegt als Waschungshof der Moschee · Rampen 1184–1198; Glockengeschoss 1560–1562 · 35 Rampen aus Ziegel und zum Schluss 17 Stufen bis zum Glockengeschoss, etwa 50 m über dem Platz, oben auf dem almohadischen Schaft; der Hof darunter misst 43 mal 81 Meter
Achte auf
- Das Raster der Orangenbäume unten und die schmalen Rinnen, die zwischen ihnen ins Pflaster geschnitten sind. Sie zeichnen geometrische Figuren und führen bis heute Wasser.
- Der runde Brunnen in der Mitte des Hofes. Seine obere Schale ist westgotisch, älter als die Moschee, und an genau dieser Schale wusch sich das almohadische Sevilla vor dem Gebet.
- Die beiden erhaltenen Galerien an den Seiten des Hofes. Es waren drei; die westliche wurde 1618 abgerissen, um die Kirche des Sagrario zu bauen.
- Die Rampe, die du gerade hinaufgegangen bist. Nach Angaben der Kathedrale war sie breit genug für einen Reiter zu Pferd.
Transkript (2:12)
Komm erst einmal wieder zu Atem. Du bist gerade 35 Rampen und 17 Stufen hinaufgestiegen, und für Touristen hat diese Rampen niemand gebaut. Ein Chronist der Zeit schrieb, sie seien so breit und hoch angelegt, dass Lasttiere, Menschen und die Wächter hinaufkamen, und die Kathedrale geht in ihrer eigenen Beschreibung noch weiter: Ein Reiter hätte zu Pferd hinaufgelangen können. Man erzählt, der Mann, der zum Gebet rief, sei bis ganz nach oben geritten. Ehrlich gesagt: Die Rampen hätten es erlaubt, aber ein Dokument, das sagt, dass es je jemand getan hat, hat bisher niemand gefunden.
Worum du auf dem Weg nach oben herumgegangen bist, ist der Kern des Minaretts: ein quadratischer Block mit sieben übereinanderliegenden gewölbten Kammern, und die Rampe windet sich zwischen diesem Kern und den vier Außenmauern. Du stehst dort, wo der almohadische Schaft endet, etwa 50 Meter über dem Platz, und alles um dich herum und über dir ist das Glockengeschoss von Hernán Ruiz. Als die Kathedrale ihn im Dezember 1557 auswählte, kam er aus Córdoba mit fertigem Entwurf und einem Modell des Turms im Maßstab eins zu fünfzig.
Die Glocken um dich herum machen diese Kathedrale zu der mit den meisten Glocken in Spanien: 24 Stück, 18 davon schwingen ganz herum, 6 werden mit einem Klöppel angeschlagen, und eine weitere ein Stockwerk höher schlägt die Uhr. Diese eine, San Miguel de las Victorias, ist die älteste. Der Turm trug die erste öffentliche Turmuhr Spaniens, aufgestellt im Jahr 1400 im Beisein von König Heinrich III.; die Nachfolgerin aus dem 18. Jahrhundert baute ein Franziskanermönch, José Cordero. Als die Glocken 1998 restauriert wurden, mussten 6 neu gegossen werden, 10 wurden geschweißt und 4 neu gestimmt.
Geh jetzt auf die Nordwestseite und schau senkrecht hinunter. Dieses Rechteck aus Orangenbäumen, 43 mal 81 Meter, war der Waschungshof der Moschee, der Sahn, in dem sich die Gläubigen wuschen, bevor sie den Gebetssaal betraten. Der Gebetssaal selbst stand dort, wo heute die Kathedrale steht, ein Bau von etwa 113 mal 135 Metern mit 17 Schiffen. Folge den dünnen Linien im Pflaster zwischen den Bäumen: Das sind Wasserrinnen, in geometrischen Figuren angelegt, und sie bringen bis heute jedem Baum sein Wasser. In der Mitte steht der Brunnen, dessen obere Schale westgotisch ist, älter als die Moschee, dieselbe Schale, die schon der almohadische Brunnen hatte.
Zähl die Bogengänge rund um den Hof. Drei Galerien müssten es sein, zwei sind es. Die westliche fiel 1618, damit die Kirche des Sagrario darüber gebaut werden konnte, und der Sagrario füllt diese Seite des Hofes bis heute.
Jl FilpoC, CC BY 4.0, über Wikimedia Commons, zugeschnitten. Foto: Jl FilpoC
Station 3 von 5 · Südarm des Querschiffs, gegenüber dem Prinzentor (Puerta del Príncipe, auch Puerta de San Cristóbal), neben dem großen Wandbild des heiligen Christophorus
Das Grabmal von Christoph Kolumbus
Arturo Mélida y Alinari (1849–1902), entworfen für die Kathedrale von Havanna · Entworfen 1891; in Sevilla aufgestellt am 17. November 1902 · Vier Herolde von 260 cm Höhe, in Bronze gegossen, mit Gesichtern und Händen aus Alabaster; sie tragen den Sarg auf einem Steinsockel
Achte auf
- Die blassen Gesichter und Hände der Herolde. Sie sind aus Alabaster, der Rest jeder Figur aus Bronze. Die beiden vorne stehen für Kastilien und León, die beiden hinten für Aragón und Navarra.
- Das Wappen zwischen den Herolden von Kastilien und Aragón. Es ist die Tür des Sarges, und dahinter liegen die Gebeine des Admirals in einer vergoldeten Bleiurne von 1795.
- Der riesige heilige Christophorus, der neben dem Grabmal an die Wand gemalt ist, und das Prinzentor gegenüber, das ebenfalls dem heiligen Christophorus geweiht ist. Mélida hat diesen Platz selbst ausgesucht.
Transkript (2:32)
Vier Männer aus Bronze, jeder zwei Meter sechzig groß, tragen am Ende des südlichen Querschiffs einen Sarg auf den Schultern: ein Leichenzug, in Metall gegossen. Gesichter und Hände sind aus Alabaster, deshalb wirken sie vor dem dunklen Metall so bleich. Die beiden vorne sind die Königreiche Kastilien und León, die beiden hinten Aragón und Navarra. Zwischen Kastilien und Aragón sitzt an der Seite des Sarges das Wappen des Admirals, und es ist tatsächlich die Tür des Sarges.
Der Sarg hat nicht die Größe von Kolumbus, und das sollte er auch nie. Darin steht eine vergoldete Bleiurne von 1795, deren Deckel sagt: Hier ruhen die Gebeine des Christoph Kolumbus, erster Admiral und Entdecker der Neuen Welt.
Diese Gebeine sind nach seinem Tod mehr gereist als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben. Kolumbus starb am 20. Mai 1506 in Valladolid und wurde dort im Franziskanerkloster beigesetzt. Sein Sohn Diego ließ ihn in das Kartäuserkloster von Sevilla bringen, La Cartuja, das den Leichnam im April 1509 aufnahm. Irgendwann nach 1536, wann genau, weiß niemand, gingen die Überreste über den Atlantik in die Kathedrale von Santo Domingo. Als Spanien seinen Teil von Hispaniola an Frankreich abtrat, wurden sie am 20. Dezember 1795 exhumiert und nach Havanna gebracht. Und als Spanien 1898 Kuba verlor, kamen sie zurück und erreichten Sevilla am 19. Januar 1899, an Bord eines Schiffes, das zufällig Giralda hieß.
Das Denkmal kam gewissermaßen mit ihnen. Arturo Mélida, ein Bildhauer aus Madrid, hatte es 1891 für die Kathedrale von Havanna entworfen, und vollendet wurde es stattdessen hier. Mélida suchte den Platz selbst aus, neben dem riesigen heiligen Christophorus an der Wand und gegenüber dem Portal, das demselben Heiligen geweiht ist, dem Namenspatron des Admirals. Eingeweiht wurde es am 17. November 1902. Vier Wochen später starb Mélida in Madrid.
Sind es wirklich seine Gebeine? Santo Domingo sagt nein: 1877 fand man dort in der Kathedrale ein Bleikästchen mit einer Inschrift für den Entdecker, und diese Knochen, seit 1992 im Kolumbus-Leuchtturm aufbewahrt, wurden nie per DNA untersucht. Die Überreste in Sevilla schon. 2003 nahm man Proben von ihnen und von den Knochen seines Bruders Diego und seines Sohnes Hernando. Die kurzen Stücke mitochondrialer DNA stimmten mit denen des Bruders überein, und die Forscher kamen zu dem Schluss, dass zumindest das, was hier liegt, Christoph Kolumbus ist.
Bevor du weitergehst, schau hinauf zum heiligen Christophorus. Der italienische Maler Mateo Pérez de Alesio soll, als er in dieser Kathedrale an einem heiligen Christophorus arbeitete, zu seinem Kollegen Luis de Vargas gesagt haben, ein einziges gemaltes Bein von Vargas sei mehr wert als sein ganzer Heiliger.
Daderot, CC0, über Wikimedia Commons. Foto: Daderot
Station 4 von 5 · Mittelschiff, in der Vierung, wo sich die Hauptschiffe kreuzen, mit Blick durch das vergoldete Gitter in die Hauptkapelle (Capilla Mayor)
Das Hochaltarretabel der Capilla Mayor
Entworfen vom flämischen Bildhauer Pieter Dancart (gest. spätestens 1488), fortgeführt von Pedro Millán und von Jorge Fernández Alemán und seinem Bruder Alejo; die Seitenteile von Roque Balduque, Juan Bautista Vázquez und Pedro de Heredia · 1482–1564 · Geschnitztes Holz, vergoldet und farbig gefasst, nach Angaben der Kathedrale fast 30 Meter hoch und beinahe 20 Meter breit; 44 Reliefs und mehr als 200 Figuren
Achte auf
- Die kleine sitzende Madonna in der Mitte der untersten Reihe, über dem silbernen Tabernakel. Sie ist die Virgen de la Sede aus dem 13. Jahrhundert, und nach ihr ist die Kathedrale benannt.
- Das Kruzifix ganz oben unter dem Gewölbe: der Cristo del Millón, der Christus der Million, aus einer Kreuzigungsgruppe des 14. Jahrhunderts, die aus der älteren Kirche übernommen wurde.
- Die Figuren, die von Reihe zu Reihe nach oben größer werden. Das ist Absicht, damit die obersten Reihen von deinem Standpunkt aus noch lesbar sind.
- Sevilla selbst und diese Kathedrale, eingeschnitzt in die Reliefs am Sockel.
Transkript (2:15)
Stell dich in die Vierung und schau nach Osten durch das vergoldete Gitter. Die goldene Wand, die das hintere Ende der Kapelle füllt, ist ein einziges Schnitzwerk, fast 30 Meter hoch und beinahe 20 breit, und die Kathedrale hält es für das größte Altarretabel der Christenheit. Es hat fast ein Jahrhundert gedauert. Der flämische Bildhauer Pieter Dancart entwarf es und begann 1482 mit dem Schnitzen; im Frühjahr 1488 war er offenbar tot, denn da kam eine Kommission, um zu prüfen, wie weit er gekommen war. Ein weiterer flämischer Meister arbeitete bis 1505 weiter, dann Pedro Millán, dann die Brüder Jorge und Alejo Fernández, die 1529 die Hauptfront fertigstellten. 1550 beschloss das Domkapitel, es um zwei Seitenteile zu verbreitern, die im rechten Winkel nach vorn klappen, und die waren erst 1564 fertig.
Lesen musst du es in Reihen, von unten nach oben, wie ein Bilderbuch: 44 Reliefs, mehr als 200 Figuren, das Leben Marias und das Leben Christi. Und jetzt der Kniff. Die Figuren wachsen, je höher die Reihe liegt. Die Schnitzer haben die obersten Reihen größer gemacht, damit sie vom Boden aus, bis zu 30 Meter über dir, genauso groß wirken wie die auf deiner Augenhöhe. Vergleich die oberste Reihe mit der untersten, dann siehst du es.
Zwei Dinge sind älter als das ganze Gefüge. Ganz oben, vor dem Gewölbe, steht eine gotische Kreuzigungsgruppe aus dem 14. Jahrhundert, die man von früher behalten und als Krönung hinaufgehoben hat; ihr Kruzifix heißt Christus der Million, nach der Million Gnaden, die es den Menschen von Sevilla in Seuchenzeiten gewährt haben soll. Am anderen Ende, in der Mitte der untersten Reihe, sitzt eine kleine Madonna aus dem 13. Jahrhundert, die Virgen de la Sede, die Jungfrau des Bischofssitzes. Ihretwegen heißt der Bau Kathedrale der heiligen Maria vom Bischofssitz. Unter ihr steht ein silbernes Tabernakel, das Francisco de Alfaro 1593 gefertigt hat.
Das Gitter, durch das du schaust, ist für sich schon ein Meisterwerk, bezahlt von Erzbischof Diego de Deza und geschmiedet von einem Dominikanermönch, Francisco de Salamanca. Es hatte einiges zu schützen. Die Laterne über der Vierung, in der du stehst, stürzte 1511 ein, und noch einmal 1888, als ein Erdbeben sie herunterholte und, nach einem Bericht, jedes Kostbare darunter zerstörte. Die letzte Restaurierung des Retabels dauerte zwei Jahre und war 2014 abgeschlossen.
Noch ein Detail für gute Augen: Am Sockel, zwischen den Martyrien, haben die Schnitzer Ansichten von Sevilla und von dieser Kathedrale selbst angebracht.
Jebulon, CC0, über Wikimedia Commons. Foto: Jebulon
Station 5 von 5 · Patio de los Naranjos (Orangenhof), Nordseite der Kathedrale, am Brunnen in der Mitte, mit Blick nach Norden zum Tor der Vergebung (Puerta del Perdón), dem Ausgang für Besucher des Rundgangs
Der Patio de los Naranjos und das Tor der Vergebung
Die Baumeister der almohadischen Moschee unter dem Kalifen Abu Yaqub Yusuf; Terrakottafiguren von Miguel Florentín (1520) und Stuckarbeiten von Bartolomé López (1522) · Hof und Tor 1172–1198; Figuren 1520, Stuck 1522 · Ziegelgepflasterter Hof von 43 mal 81 Metern mit Orangenbäumen und Wasserrinnen; das Tor ein spitzer Hufeisenbogen unter einem zinnenbekrönten Obergeschoss
Achte auf
- Die Form des Bogens im Tor der Vergebung: ein spitzer Hufeisenbogen, so wie ihn die almohadischen Baumeister angelegt haben und wie er laut Kathedrale bis heute erhalten ist.
- Der Brunnen neben dir. Das Becken ringsum ist modern, die obere Schale aber westgotisch, dieselbe, die schon der Brunnen der Moschee hatte.
- Das Krokodil, das in der überdachten Galerie an der Nordostecke, beim Tor der Eidechse (Puerta del Lagarto), von der Decke hängt: eine alte Votivgabe, nach der das Tor seinen Namen hat.
- Sobald du draußen auf der Straße bist, dreh dich um: Das Terrakottarelief der Vertreibung der Händler aus dem Tempel von Miguel Florentín, 1520, sitzt außen über dem Bogen.
Transkript (2:12)
Das Tor vor dir, am Nordende des Hofes, ist seit mehr als achthundert Jahren ein Weg hinein und hinaus. Das Tor der Vergebung war der Haupteingang der almohadischen Moschee, in einer Linie mit dem Mittelschiff des Gebetssaals und mit dem Mihrab, der Nische, die die Richtung nach Mekka anzeigte. Schau dir den Bogen unter dem tiefen Holzvordach an. Es ist ein spitzer Hufeisenbogen, und laut der Beschreibung der Kathedrale hat er seine ursprüngliche Form seit dem zwölften Jahrhundert behalten. Jeder Gläubige, der im almohadischen Sevilla zum Freitagsgebet kam, ging unter dieser Rundung hindurch.
In diesem Hof wusch man sich vorher. Er war der Sahn der Moschee, der Waschungshof, und die Christen behielten ihn nach 1248 und fanden andere Verwendungen dafür: als Friedhof, als Platz für die jährlichen Märkte der Stadt, als Ort zum Predigen. Der Brunnen neben dir ist modern, aber seine obere Schale ist westgotisch, älter als die Moschee, und es ist dieselbe Schale, die schon der almohadische Brunnen hatte. Die Orangenbäume stehen in einem strengen Raster, und die dünnen Rinnen zwischen ihnen, die du von oben vom Turm aus gesehen hast, führen noch immer das Wasser.
Bevor du gehst, such die überdachte Galerie an der Nordostecke des Hofes, die Nave del Lagarto, und schau beim Tor der Eidechse nach oben. Die Eidechse, die dort von der Decke hängt, ist in Wahrheit ein ausgestopftes Krokodil, eine alte Votivgabe. Im Stockwerk über dieser Galerie liegt die Biblioteca Colombina. Sie ist aus dem Nachlass von Hernando Colón hervorgegangen, dem Sohn von Christoph Kolumbus, im Jahr 1552: rund sechstausend Stücke, 940 davon vor 1501 gedruckte Bücher, und unter den Handschriften das Original des Buchs der Prophezeiungen, das Kolumbus 1504 selbst geschrieben hat. Der Mann, dessen Gebeine du gerade gesehen hast, ist also mit seiner Handschrift im selben Gebäude.
Auch die Torflügel sind almohadisch, Holz mit Bronze beschlagen, verziert mit Flechtwerk und kufischen Inschriften, die zwei Sätze aus dem Koran wiederholen: Die Macht gehört Gott, und die Ewigkeit gehört Gott. Die Türklopfer daran sind heute Nachbildungen; die Originale werden im Inneren der Giralda aufbewahrt.
Geh hindurch, hinaus in die Calle Alemanes, und dreh dich um. Auf der Straßenseite hat die christliche Stadt das alte Tor neu eingekleidet: Terrakottafiguren von Miguel Florentín aus dem Jahr 1520, Petrus und Paulus an den Seiten, darüber die Jungfrau Maria und der Erzengel Gabriel, und über dem Bogen ein großes Relief von Christus, der die Händler aus dem Tempel treibt, angebracht an der Haupttür einer einstigen Moschee.
Unabhängiger Guide · Chiaro
Richte Chiaro auf alles in der Kathedrale von Sevilla.
Achtzig Kapellen, fünfzehn Portale, vierundzwanzig Glocken und vierundvierzig geschnitzte Reliefs an einem einzigen Retabel: Ein Rundgang mit fünf Stationen kratzt da kaum an der Oberfläche. Fotografiere eine Grabplatte im Boden, einen gemalten Heiligen über einem Seitenaltar, die kufische Schrift auf einer Bronzetür oder das Wappen an einem Gitter, und Chiaro sagt dir, wer es gemacht hat, wer es bezahlt hat und was darauf steht, und erzählt weiter, solange du unter den Gewölben bleibst.
Bevor du gehst
Anreise
Avenida de la Constitución s/n, 41004 Sevilla. Wer ein Online-Ticket hat, geht durch das Tor der Eidechse (Puerta del Lagarto) hinein; Tickets für denselben Tag gibt es am Ticketschalter, und mit ihnen geht es durch das Prinzentor (Puerta del Príncipe, auch Puerta de San Cristóbal genannt), das Portal im Südarm des Querschiffs. Hinaus geht es durch das Tor der Vergebung (Puerta del Perdón), vom Patio de los Naranjos in die Calle Alemanes.
So beschreibt die Kathedrale selbst den Weg: mit der Straßenbahn Metrocentro bis zur Haltestelle Archivo de Indias; mit der Metrolinie 1 bis Puerta de Jerez; mit den Tussam-Bussen C1, C2, C3, C4, 5, 41 oder 42 bis Jardines del Cristina, wo auch der Flughafen-Sonderbus AE hält; oder mit dem Nahverkehrszug Cercanías Renfe bis San Bernardo.
Tickets und Eintritt
- Ein Ticket, der allgemeine Besuch (visita general), gilt für die Kathedrale, die Giralda und die Kirche El Salvador: 13 € online oder 14 € am Schalter, ermäßigt 7 € oder 8 € für Besucher über 65, Studierende bis 25, Menschen mit einem Grad der Behinderung zwischen 33 % und 65 % und erwachsene Mitglieder kinderreicher Familien, und kostenlos für Kinder bis 13 in Begleitung eines Erwachsenen; für jede Ermäßigung brauchst du einen Nachweis. Die Uhrzeit auf dem Ticket ist deine Einlasszeit; danach kannst du bis zur Schließung ohne Zeitlimit bleiben.
- Der Ticketschalter verkauft bis 18:00 Uhr, um 19:00 Uhr leert sich das Gebäude. Sonntags ist nur nachmittags geöffnet, die Ticketschalter öffnen um 14:30 Uhr, und die Öffnungszeit an Werktagen richtet sich nach dem Kirchenjahr. Während Gottesdiensten ruhen die touristischen Besuche, und das Domkapitel kann die Zeiten ohne Vorankündigung ändern, schau also in seinen Kalender für deinen Tag.
- An Sonntagen, die keine Feiertage sind, gibt es von 16:30 bis 18:00 Uhr einen kostenlosen öffentlichen Besuch, online vorab zu buchen und mit begrenzten Plätzen.
- Fotografieren ist ohne Blitz und Stativ erlaubt, solange du niemanden beim Beten störst. Kleide dich respektvoll und nimm drinnen den Hut ab. Die Dächer der Kathedrale gehören nicht zum allgemeinen Ticket; sie sind eine eigene Führung.
Der offizielle Audioguide
Der eigene Audioguide des Domkapitels kostet 5 €, als App 4 €, und das Domkapitel bietet außerdem Führungen durch Kathedrale und Giralda an, online für 20 €, jeweils etwa neunzig Minuten; gehörlose Besucher können kostenlos einen Gebärdensprach-Guide bekommen, und das Faltblatt zum Rundgang und der Übersichtsplan am Informationsschalter kosten nichts. Unsere fünf Stationen sind kostenlos, gehen an weniger Orten mehr in die Tiefe und haben unter jedem Player den vollständigen Text, was in einer Kirche, in der man den Ton lieber leise hält, gut passt.
Offizielle Website →Fragen
Gibt es einen kostenlosen Audioguide für die Kathedrale von Sevilla?
Du hast ihn vor dir: fünf Stationen vom Platz unter der Giralda bis zum Tor der Vergebung, kostenlos im Browser deines Telefons abgespielt, und unter jedem Player steht der ganze Text. Der eigene Audioguide des Domkapitels ist nicht kostenlos, er kostet 5 €, als App 4 €. Für eine Kapelle, ein Grab oder ein Gemälde, das keine der fünf Stationen behandelt, machst du ein Foto, und Chiaro erzählt dir davon.
Welcher Teil des Audioguides zur Kathedrale von Sevilla läuft draußen, ohne Ticket?
Die erste Station: Sie ist für die Plaza Virgen de los Reyes geschrieben, den öffentlichen Platz an der Nordostecke, von dem aus du die ganze Giralda siehst, ohne durch eine Kontrolle zu müssen. Die anderen vier liegen drinnen und brauchen das Ticket für den allgemeinen Besuch, das für die Kathedrale, die Giralda und die Kirche El Salvador gilt.
Was kostet der offizielle Audioguide der Kathedrale von Sevilla?
5 € kostet der Audioguide des Domkapitels, als App 4 €. Eine Führung durch Kathedrale und Giralda kostet online 20 € oder am Schalter 21 €, online kommt eine Bearbeitungsgebühr von 1 € dazu, und sie dauert etwa neunzig Minuten.
Ist der Aufstieg auf die Giralda im Ticket der Kathedrale von Sevilla enthalten?
Ja. Das normale Ticket ist der allgemeine Besuch von Kathedrale und Giralda, und der Rundgang beginnt sogar am Turm, der eine eigene Einlasskontrolle hat. Hinauf geht es über 35 Rampen und zum Schluss eine kurze Treppe mit 17 Stufen bis zu den Glocken. Nur für die Dächer brauchst du eine eigene Führung.
Durch welches Tor gehe ich in die Kathedrale von Sevilla, und wann ist geöffnet?
Mit einem Online-Ticket gehst du durch das Tor der Eidechse hinein; kaufst du am selben Tag, gehst du zum Ticketschalter und durch das Prinzentor im südlichen Querschiff. Der Ticketschalter schließt um 18:00 Uhr, das Gebäude um 19:00 Uhr, sonntags ist nur nachmittags geöffnet, und während Gottesdiensten ruhen die touristischen Besuche. Entscheidend ist also der Tageskalender des Domkapitels.
Weitere Audioguides
Erstellt von Chiaro. Keine Verbindung zur Verwaltung der Kathedrale von Sevilla.